Möhnen
Der Möhnen-Club
Sechs Jahre nach Beendigung des 2. Weltkrieges, als die Kriegs- und Nachkriegsnot langsam
beseitigt war, versammelten sich Windener Frauen in geselliger Runde. Schließlich gab es nach
dem Krieg und den folgenden Jahren viel nachzuholen und für Humor waren die Windener stets bekannt.
Zunächst war die Zweckbestimmung des Vereins noch nicht ganz klar. Man zahlte 30 Pfennig (ca.15 Cent)
Monatsbeitrag und machte den ersten Ausflug zum Neroberg nach Wiesbaden. Da man bald merkte,
welch lustiger Verein sich hier zusammen gefunden hatte, wurde aus der losen Vereinigung
ein Möhnenclub. Man rüstete zum ersten öffentlichen Auftritt bei der Fastnacht 1952.
Das Auge des Gesetzes wachte streng über dem neuen Gebilde "MÖHNENCLUB" und so kam es, daß für
den Auftritt schon Strafe gezahlt werden musste, weil man vergessen hatte, für dieses Vergnügen
auch Vergnügungssteuer zu zahlen.
Nachdem es zwei Jahre ohne Vorstand ging, wurde †Greta Raab schließlich zur ersten Vorsitzenden
und †Anna Heuchemer zur Stellvertreterin gewählt. Der Windener Möhnenclub hatte bald einen Namen
in der ganzen Umgebung und man war immer erstaunt, wieviel Menschen Eiflers Saal (heute Gasthaus
Drehpunkt) aufnehmen konnte. Beim dritten Möhnenball waren so starke Schneefälle zu verzeichnen,
daß ein Schneepflug von Nassau (natürlich ein Pferdegespann) kommen musste.
Die Besatzung kam voll in das Möhnentreiben und versackte so in Winden, daß sie erst nach zwei
Tagen Kraft und Mut fanden, nach Hause zurückzukehren. Die Vorträge der damaligen Zeit spiegelten
ausschließlich das Dorfgeschehen und hier insbesondere die Erdbeerzucht wieder. Schon lange vor
dem Möhnenball freuten sich die Kinder auf Kuchen und Kreppel (Berliner) nach dem Möhnenzug.
Die Umzüge waren von Anfang an Bestandteil des Schwerdonnerstags in Winden. Zahlreiche Bilder,
auf denen der Pferdekutscher und Obermöhnerich †Peter Linscheid ebensowenig wie †Johann Eifler
fehlen, zeugen vom Ideenreichtum origineller Verkleidung der Möhnen. Der erste Wagen war eine
Altweibermühle, die junge Mädchen auswarf. Ausflüge gab es auch in jedem Jahr, die wieder Stoff
für die kommenden Büttenreden lieferte. In den ersten Jahren versagte auch schon einmal der Bus
seine Dienste und es mußte unterwegs Benzin gesammelt werden.
Die Ausflüge führten die Möhnen im Laufe der Jahre nach Holland, Belgien und Luxenburg, zum
Bundeshaus nach Bonn, in die Persilwerke und in den Zoo. Auch am Bodensee, in Garmisch, Österreich
und im Schwarzwald waren die Möhnen zu finden. Gerade die ältere unmotorisierte Generation, hätte
diese Sehenswürdigkeiten ohne den Möhnenclub im ganzen Leben nicht zu sehen bekommen. Auch Wanderungen
mit und ohne Kinder wurden durchgeführt.
Der ersten Vorsitzenden †Greta Raab folgte †Käthe Noll, die wegen ihrer besonders humorvollen
Büttenreden stets großen Beifall erntete.
†Hedi Rübsamen war wohl über all die vergangenen Jahre
eine der engagiertesten Vorsitzenden, die der Verein je besaß. Sie führte den Verein mit großem Engagement
unter Zurückstellung eigener Interessen. Mit einer festen Hand und einer riesengroßen Portion Herz
führte sie über viele Jahre die Geschicke des Vereins. Aus Anlaß des 20 jährigen Bestehens, veranstalteten
die Möhnen 1970 ein Damenfußballspiel auf dem hiesigen Sportplatz, der selten so viele
Zuschauer gesehen hatte. Bei einem Eintrittspreis von 1,- DM (ca. 51 Cent) pro Person wurden nahezu 1000,- DM
(ca. 511.29 Euro) kassiert. Sechs Kassierergruppen hatten am Ende des Spiels, daß ja nicht ganz so lang war, noch nicht
die Runde. Vom Erlös wurde eine Rutsche für den Kinderspielplatz gestiftet, die noch heute Anziehungspunkt
für unsere Kleinen ist. Auch spendete man vom Erlös des Spieles, dem VfR einen Satz Trikots.
Am 25.06 - 26.06.1977 feierten die Möhnen ihr 25 Jähriges Bestehen. Speziell zu diesem
feierlichen Anlaß wurde auf dem Schulhof ein großes Festzelt errichtet. Schirmherrin dieser
Veranstaltung war Frau Ursula Koll. Mit Herz und Frohsinn, stellte man eine Veranstaltung
auf die Beine, die ihres gleichen suchte. Die Veranstaltung blieb sowohl für die Besucher, als
auch für die FRAUEN MIT HERZ bis zum heutigen Tag in schöner Erinnerung.
Über 50 Mitglieder zählte der Verein in seiner größten Blüte. Er hat in der Geschichte die Fastnacht
von Winden entscheidend mitgeprägt und bot den Frauen die Möglichkeit sich am Dorfleben aktiv
zu beteiligen. Viel Freude und Zerstreuung hat er in all seinen Möhnenbällen und Umzügen, der
einheimischen und auswärtigen Bevölkerung gebracht. Die Vereinsgeschichte spiegelt auch die
Nachkriegsentwicklung von Winden, das unter dem Sprichwort angetreten ist: "En Wenne es nix
ze fenne" und sich im Jahre 1976 zum schönsten Dorf in Rheinland-Pfalz gemausert hat,
wieder. Böse Zungen behaupteten, daß die Mitwirkung der Möhnen bei der letzten Dorfbesichtigung
den entscheideten i - Punkt geliefert haben.
Bedauerlicherweise ist es in den letzten Jahren sehr sehr ruhig um den doch sonst so lebenslustigen
Verein geworden. Mitverantwortlich dafür ist bestimmt auch der tragische Tod der allseits beliebten Obermöhne
Hedi Rübsamen. Die Mitgliederzahlen stagnieren und der Nachwuchs fehlt. Ich
persönlich bedauere diese Entwicklung sehr und es macht mich doch sehr traurig.
Winden ohne
die FRAUEN MIT HERZ undenkbar !
